DSL-Verfügbarkeit & Geschwindigkeit: Wie schnell ist mein Internet wirklich?

19.01.2017 - Die Internet-Service-Provider (ISP) in Deutschland versprechen ihren Kunden immer schnellere Verbindungen ins Internet. Doch nicht immer halten die Unternehmen, was sie versprechen. Wir erklären, wie schnell das Internet für VoIP sein muss und wie man seine Internetgeschwindigkeit prüft.

Ein Großteil der deutschen Haushalte ist mit dem Internet verbunden. In solchen Zeiten müssen sich Provider etwas einfallen lassen, um Kunden zu einem Wechsel zu ihrem Unternehmen zu verleiten. Eine Möglichkeit besteht darin, besonders schnelle Anschlüsse ins Internet bereitzustellen. Doch in zahlreichen Foren im Internet äußern Kunden ihre Unzufriedenheit. Die versprochenen Geschwindigkeiten werden nicht immer erreicht.


Welche DSL-Geschwindigkeit ist bei mir verfügbar?

Viele Verbraucher sind neidisch, wenn die Bewohner der Nachbarstadt mit 300 Mbit/s pro Sekunde surfen können; ihr ISP bietet nur 30 Mbit/s an – und selbst diese Geschwindigkeit wird nicht erreicht. Das kann verschiedene Gründe haben.

Grundsätzlich gilt bei der Internetgeschwindigkeit: Sie hängt vom Standort ab. In Großstädten steht im Regelfall eine höhere Geschwindigkeit als im ländlichen Raum zur Verfügung. Der Grund ist simpel: Je mehr Einwohner eine Stadt hat, desto mehr potenzielle Kunden gibt es. Natürlich ist es für den Provider auch günstiger, eine gute Infrastruktur in einer Großstadt zur Verfügung zu stellen; in einem großen Gebäude können mehrere Haushalte bedient werden.

Dennoch gibt es unabhängig vom Standort gewisse Unterschiede bei den Providern, wie die nachfolgende Tabelle zeigt (Daten von Preis24)[1]:

ISP Geschwindigkeit (Mbit/s)
- Vodafone 100
- 1&1 50
- o2 50
- StarDSL 22
- Filiago 20
- Telekom 16

Wie in der Tabelle zu sehen ist, liefert Vodafone in einer Kleinstadt im Westerwaldkreis eine doppelt so hohe Geschwindigkeit wie 1&1; beim Branchenriesen Telekom gibt es nur 16 Mbit pro Sekunde – das aber nur in Theorie. Geprüft werden muss, ob die Anbieter ihr Versprechen auch einhalten. Vertraglich ist meist von Werten bis zu X Mbit/s die Rede.

Wie schnell muss mein Internet für VoIP sein?

Für VoIP hat die Internetgeschwindigkeit eine durchaus große Wichtigkeit. Wie hoch diese sein muss, hängt von dem verwendeten Codec, der Anzahl der Nutzer sowie dem allgemeinen Surfverhalten ab.

Folgenden Bedarf haben unterschiedliche Codecs:

- G.711: 64,0 kbit/s
- G.728: 16,0 kbit/s
- G.729: 8,0 kbit/s
- G.723.1: 5,3 kbit/s

Zusätzlich zur Bandbreite, die der Codec nutzt, entsteht noch ein Overhead von rund 30 Prozent, die aus den Headern (RTP, UDP, IP, Ethernet) und der Payload resultiert. Beim Codec G.711 wird eine Bandbreite von insgesamt 82,5 kbit/s benötigt.

Bei ADSL ist der Upstream der limitierende Faktor, da ein VoIP-Telefonat bis zu 165 kbit/s im Down- und Upstream beansprucht. Eine DSL–3000-Leitung hat etwa 380 kbit/s Upload, sodass zwei Benutzer gleichzeitig telefonieren können, jedoch ist die Benutzung des Internets für andere Zwecke kaum noch möglich.

Da ADSL nur noch vereinzelt zu finden ist, sollte die Bandbreite heutzutage nicht mehr der limitierende Faktor bei VoIP sein. Dennoch ist zu prüfen, ob der ISP wirklich die versprochene Geschwindigkeit liefert. Wie das geht, erklären wir in den nachfolgenden Abschnitten.


Internetgeschwindigkeit mit 3 Methoden messen

Lange Zeit warben Internetanbieter mit schnellen Leitungen, bis einige Kunden feststellten, dass von der versprochenen Geschwindigkeit nur ein Teil bei ihnen zu Hause ankam. Inzwischen gibt es verschiedene Möglichkeiten, um seine Internetgeschwindigkeit zu testen, unter anderem mit einem Speedtest auf breitbandmessung.de. Das Portal wurde von der zafaco GmbH im Auftrag der Bundesnetzagentur entwickelt.

Eines sei an dieser Stelle gesagt: Ein Test alleine ist nicht ausschlaggebend. Verbraucher müssen mehrere Tests starten und die Ergebnisse auswerten. Nachfolgend geben wir einen Überblick über drei verschiedene Testmethoden:

1. Speedtest-Seiten

Die zuvor angesprochene Webseite ist eine von vielen, die Internetnutzern eine simple Möglichkeit zur Verfügung stellt, die Geschwindigkeit ihrer Leitung zu testen. Leider wird das Ergebnis eher von der Hardware des Users als seinem Internetanschluss beeinflusst. Ein veralteter Browser auf einem langsamen Rechner beeinflusst das Ergebnis negativ.

2. Command Line Interface

Wer sich mit dem Command Line Interface auskennt, kann es nutzen, um seine Internetgeschwindigkeit mithilfe von speedtest.net zu testen. Über die Konsole werden verfügbare Server direkt angesteuert und ein Speedtest (Download und Upload) durchgeführt. Informationen zur Installation von speedtest-cli gibt es auf Github.

Eine Alternative ist die Verwendung von wget oder curl:

wget -O /dev/null http://speedtest.fra02.softlayer.com/downloads/test100.zip

Mit diesem Befehl wird ein 100 Megabyte großes Archiv von einem Softlayer-Server (Liste mit anderen Servern hier) in Frankfurt heruntergeladen.

3. BitTorrent

Auch wenn das Protokoll BitTorrent für illegale Zwecke missbraucht wird, hilft es vielen Anbietern legaler Downloads, Ressourcen zu sparen. Und: Man kann das Protokoll nutzen, um seine Leitung zu testen. Dazu installiert man einen BitTorrent-Client seiner Wahl und lädt eine Linux-Distribution (Ubuntu zum Beispiel) herunter. Der Download sollte möglichst groß sein, damit er die Leitung auch komplett ausreizen kann.

Die gesammelten Ergebnisse auswerten

Nachdem man mit allen drei vorgestellten Methoden Geschwindigkeitstests ausgeführt hat, wertet man die Ergebnisse aus. Das schnellste Ergebnis sollte zeigen, wie schnell die Leitung ist. Kommt der Wert der versprochenen Geschwindigkeit des Internetanbieters nahe? Wenn nicht, muss zunächst geprüft werden, ob andere Faktoren das Ergebnis verfälschen (Router, WLAN, et cetera). Erst dann sollte man seinen ISP kontaktieren und um Aufklärung bitten.

[1] Adresse zufällig gewählt, maximal verfügbare Geschwindigkeit je Provider


Weitere Informationen:



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